Weihnachten auf Sylt
Weihnachten

"Weihnachten auf Sylt"

"Weihnachten auf Sylt – Jööl üp Söl" ist das erste Sylter Buch, das sich speziell mit der Advents- und Weihnachtszeit beschäftigt. Auf Sylt zeichnen sich der Advent und Heiligabend früher wie heute durch einiges Besonderheiten aus, wie sie auf dem Festland nicht üblich sind. Die Neuerscheinung berichtet davon in anschaulichen Erzählungen und ausdrucksvollen Gedichten, zum Teil in Söl'ring verfasst. Stimmungsvolle Fotografien und Zeichnungen rund um Weihnachten und den Winter komplettieren den Inhalt.

Was kam Weihnachten früher auf den Tisch? Warum besuchte man sich in der Adventszeit oft und heiratete häufig? Welche Geschichte hat der Sylter Weihnachtsbaum, der Jöölboom, und wie klingt die Weihnachtsgeschichte des Evangeliums auf Söl'ring? Davon erzählt dieses informative, unterhaltsame Büchlein ebenso wie von einer Weihnachtspredigt nach Kriegsende oder von einem Sylter Kapitän, der Heiligabend fern der Heimat an Bord feierte.

Heitere Episoden runden den Inhalt ab – angefangen von abenteuerlichen Begebenheiten an den Weihnachtstagen der eigenen Kindheit über die sonderbaren Erlebnisse des Weihnachtsmannes auf Sylt bis hin zu einem kuriosen Brauch der Sylter Neuzeit, dem Weihnachtsbaden. Und damit die Festtage noch besser munden, werden auch die passenden Sylter Backrezepte verraten.

LESEPROBE:

(...) Die Adventszeit war keine Zeit der Muße, sondern ausgefüllt mit vielen Arbeiten innerhalb des Hauses. Die erste Pflichtübung war die gründliche Reinigung aller Zimmer, das "Potsi en faagi" (friesisch: "Putzen und fegen"). Hinzu kam das Putzen des Messinggeschirrs und der silbernen Teeutensilien – diese waren der Stolz einer jeden Sylter Frau, da es ja sonst kaum Kostbarkeiten im Hause gab. Viele dieser Dinge stammten aus Holland, von wo aus die Sylter Männer im 17. und 18. Jahrhundert zum Walfang ins Eismeer fuhren. Bei ihrer Rückkehr im Herbst brachten sie dann bestellte und heiß ersehnte Haushaltsgüter für ihre Frauen mit. Auf diese Weise gelangten auch Kolonialwaren wie Reis, Tee und Gewürze auf die Insel.

Zu den angenehmen Abwechslungen der Vorweihnachtszeit gehörte das "?pseten" (Friesisch: "Aufsitzen") – der abendliche Besuch bei den Nachbarn, ohne diesen anzukündigen. Man klopfte an die Haustür und wenn diese geöffnet wurde, fragte man: "Wel I ?pseter haa?" ("Wollt Ihr Aufsitzer haben?") oder "Ken wü tö ?pseten kum?" ("Können wir zum Aufsitzen kommen?"). Darauf folgt dann üblicherweise die Antwort: "Jaa, kum man iin, wü frigi üüs." ("Ja, kommt mal rein, wir freuen uns."). Als "Aufsitzer" wurden dabei die Gäste bezeichnet, weil sie sich zum Plausch auf einen Stuhl oder eine Bank setzten. (...)