|
Üblicherweise bilden Sylt-Bücher allein die Schönheiten der Insel ab – doch auch die dunklen Kapitel sind Teil des Sylter Lebens und der Sylter Historie. Die neue Publikation "Sylter Tragödien" ermöglicht dem Leser nunmehr einen gänzlich anderen Blickwinkel hinter die Kulissen der Sonneninsel.
Das bewegende Buch beleuchtet in 20 Kapiteln die Schattenseiten von Sylt – beginnend von der Heimsuchung durch Seuchen und den Schrecken der Kriege bis hin zu aktuellen Verbrechen, Naturkatastrophen und unseligen Urlaubserlebnissen. Eindringlich und authentisch zeichnen die beiden erfahrenen Sylter Autoren in Wort und Bild historische und aktuelle Geschehnisse nach, wobei viele der Texte und Fotografien erstmals in einem Buch publiziert sind.
Autor Frank Deppe schöpfte das Wissen aus eigenen Aufzeichnungen seiner langjährigen journalistischen Tätigkeit wie auch aus rund 120 Quellen, angefangen von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung bis hin zur Nachrichtenagentur. Volker Frenzel steuerte eine Vielzahl von Fotos bei, die die Authentizität der Ereignisse ebenso anschaulich wie oftmals dramatisch unterstreichen.
LESEPROBE:
“(...) Es gibt sicherlich angenehmere Aufgaben als jene, die Karl-Ludwig Klemm* bei sengender Hitze am Nachmittag des 25. Juli 1961 ausführen muss. Während sich am nahen Strand die Urlauber in der prallen Sonne aalen, läuft der städtische Arbeiter auf dem schmalen Fußweg, der am Fuße der Westerländer Dünen von der Käpt'n-Christiansen-Straße zum Gaadt verläuft, von einem Gully zum nächsten. Mit einem Haken öffnet er die Kanaldeckel, dann zieht er die Schlammfangeimer heraus, in denen sich allerlei Unrat angesammelt hat. Ein Schacht scheint besonders stark verstopft zu sein – rund um den Deckel hat der ausgiebige Regen von vorletzter Nacht eine große Pfütze hinterlassen. Als Klemm den Gullydeckel öffnet, weicht er erschrocken zurück: Kopfüber steckt ein Toter im Abfluss.
Die Todesursache ist offenkundig: Um den Hals ist ein Lederriemen geknüpft, mit dem der junge Mann erwürgt wurde. Bereits am nächsten Tag hat die Kriminalpolizei ermittelt, um wen es sich bei der männlichen Leiche, handelt. (...)”
|