Sylter Sagenwelt
Sagenwelt

“In der Sage lebt die unsterbliche Volksseele weiter", wusste schon der bekannte Sylter Heimatdichter Jens Mungard. Die geheimnisvollen Überlieferungen aus der Sylter Vergangenheit dokumentiert das Büchlein "Sylter Sagenwelt". Der handliche Band umfasst 33 geheimnisvolle Sylter Sagen, garniert mit Zeichnungen und Fotografien. Wunderliche Erzählungen von Hexen und Helden, Zwergen und Riesen, Schatzsuchern und Stranddieben, Göttern und Geistern laden den Leser zu einem Spaziergang über die Insel abseits der ausgetretenen Pfade ein.

Die kurzweiligen Texte vermitteln ein Stück Sylter Tradition und beleuchten eine spannungsreiche Seite des Eilands: Sylt, die Insel zwischen Mystik und Meer. Selbstverständlich hat sich jede der geschilderten Sagen so und nicht anders ereignet – man muss nur daran glauben.

 

LESEPROBE:

 

"(…) Wenn in früheren Zeiten schwere Stürme wüteten, Schiffe zu Spielbällen der Wellen wurden und schließlich vor Sylt strandeten, dann schlug die Stunde der Strandräuber: Binnen weniger Stunden wurden die Wracks zerlegt, die Ladung geplündert – und bisweilen die Besatzung als unliebsame Zeugen kurzerhand erschlagen. Selbst die Androhung drastischer Strafen durch den Landesherrn – der Diebstahl von größeren Werten wurde mit dem Galgen gesühnt, auf die Ermordung von Schiffbrüchigen stand die verschärfte Todesstrafe durch das Rad – konnten dem dunklen Treiben kaum Einhalt gebieten.

Weil sich die Sylter so unchristlich benahmen, wurden sie von Petrus fortan nicht mehr in den Himmel eingelassen. Eines Tages gelang es jedoch drei Verstorbenen, in einem unbemerkten Augenblick durch das Tor zu schlüpfen. Als sie nun im Himmelreich waren, sorgten sie dort für reichlich Unruhe: Sie gingen andere Seelen hart an, geizten nicht mit losen Schimpfworten und verlangten immer wieder nach Rum. Da überlegte Petrus angestrengt, wie er die ungebetenen Gäste nur wieder loswerden könne. Plötzlich kam ihm der rettende Gedanke. Er rief laut "Schiff auf Strand" – und siehe da: Schon stürmten die drei Sylter begierig durch das Himmelstor hinaus. Sofort aber verschloss Petrus den Eingang und hielt fortan umso aufmerksamer Wacht. Man sagt, dass es die Sylter daher bis heute recht schwer haben, in den Himmel zu gelangen. (…)"