|
Wer behandelte seine Gäste wie Ziegen? Welche Sylterin düpierte einen König? Wie wurde ein Tinnumer Seemann aus der Sklaverei errettet? Und welcher kühne Pilot flog verbotenerweise von List nach New York? Antworten auf diese Fragen und viele weitere Einsichten gibt das Büchlein "Sylter Originale", das 20 schillernde Sylter Persönlichkeiten der Vergangenheit vorstellt. Die kurzweiligen, mit Fotos umrahmten Texte schildern Wissenswertes, Kurioses und Tragisches aus dem Leben dieser besonderen Männer und Frauen.
"Sylter Originale", das sind: Knud Ahlborn, Carl Christiansen, Wulf Manne Decker, Andreas Dirks, Peter Eschels, Andres Frödden, Valeska Gert, Wolfgang von Gronau, Dirk Meinert Hahn, Lorens de Hahn, Christian Peter Hansen, Merret Lassen, Boy Lornsen, Uwe Jens Lornsen, Dr. Paul Nicolas, Gret Palucca, Thomas Selmer, Siegward Sprotte, Clara Tiedemann und Magnus Weidemann
LESEPROBE:
(...) Im Sommer 1825 besuchte der dänische König Frederik VI. die Insel Sylt. Während seines zweitägigen Aufenthalts erzählte man ihm von einer besonders kinderreichen Sylter Familie namens Lassen. Die Mutter, so erfuhr der hohe Gast, sei eine ebenso tüchtige wie ansehnliche Frau. "Eine richtige Friesin also. Die möchte ich zu Gesicht bekommen", sagte der König. Sofort wurde ein Bote nach Rantum entsandt, wo die Familie Lassen lebte. Der Kurier kehrte jedoch unverrichteter Dinge zurück: Merret Lassen lasse sich entschuldigen, weil sie die Kinder beaufsichtigen müsse. Er solle ausrichten: "Wenn der König mich sehen will, so mag er nach Rantum kommen." So geschah es. König Frederik ließ sich nach Rantum kutschieren, trat in die Stube der Lassens ein und nahm Platz. Nach geraumer Zeit erschien Merret im Türrahmen, machte einen Knicks und sagte: "Majestät wollten mich sehen. So sehe ich von vorne aus" – sie drehte sich um – "und so von hinten." Mit diesen Worten stolzierte sie wieder zur Tür hinaus. Zunächst waren alle sprachlos, ehe der König in schallendes Gelächter ausbrach. (...)
|