Sylt im Wandel 2
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Dies ist die aktualisierte und erweiterte Neuauflage des Buches "Sylt im Wandel". Sie umfasst neben denen genannten Themen der Erstauflage zusätzlich die Kapitel "Sylt anno dazumal" und "Faszination pur – Sylter Natur". Außerdem erhält dieser Band ein Sylt-Lexikon mit Erklärungen zu mehr als 150 inseltypischen Begriffen.

 

LESEPROBE:

 

(...) Das Kapital der Insel ist ihre Natur. Trotz der geringen Größe von nicht einmal hundert Quadratkilometern besticht Sylt durch eine ebenso reizvolle wie vielfältige Landschaftsform: Feine Sandstrände im Westen, ausgedehntes Wattenmeer im Osten. Idylle zwischen Dünen und Deichen, Wiesen und Heide, Kliffen und Salzwiesen. Diese ökologische Mischkultur bietet einen idealen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Zugleich bedarf die Natur eines besonderen Schutzes, zumal die Begehrlichkeit nach Immobilien und Bauland groß ist. Bereits ab 1923 wurden einzelne Gebiete nach und nach unter besonderen Schutz gestellt. Heute ist jeder siebte Quadratmeter Sylter Boden Landschaftsschutzgebiet, und jeder vierte Quadratmeter steht unter Naturschutz. Darunter fallen insbesondere die Dünen, die Heide und die Kliffe. Insgesamt machen die Schutzgebiete gut 40 Prozent der gesamten Insel aus – ein im bundesweiten Vergleich außerordentlich hoher Prozentsatz.

Zu den faszinierendsten Landschaftsräumen Sylts gehört das Wattenmeer. Im Rhythmus von Ebbe und Flut verändern sich die Lebensbedingungen für die hier lebenden Tiere und Pflanzen alle paar Stunden aufs Neue. Die Gezeiten sind ein besonderes Phänomen: Etwa alle sechs Stunden wechseln sich Ebbe und Flut ab. Dieses Naturschauspiel wird durch das Zusammenspiel der drei Planeten Erde, Mond und Sonne verursacht. Dabei stehen sich die Fliehkraft von der Erde und dem Mond auf der einen Seite sowie die Meeresanziehung durch Sonne und Mond auf der anderen Seite gegenüber. Zusammen erzeugen sie die wechselnden Gezeiten. Dazu gibt es noch weitere Besonderheiten: Bei Neu- und Vollmond wirken sich die Anziehungskräfte besonders stark aus, erreicht die Flut einen höheren Wasserstand. Dies birgt bei Sturmfluten eine zusätzliche Gefahr in sich. Umgekehrt läuft das Hochwasser bei Halbmond schwächer auf.

Auf den ersten Blick mag das Wattenmeer wie eine end- und leblose graue Schlickwüste wirken. Doch die Lebensvielfalt ist frappierend: Auf nur einem Quadratmeter leben bis zu zwei Millionen Organismen - kaum ein anderer Lebensraum auf der Erde weist eine ähnliche Vitalität auf. Wissenschaftler haben ermittelt, dass sich in einem Quadratmeter Wattboden mehr lebende Substanz als etwa im tropischen Regenwald findet! Die meisten Tiere leben in Tiefen bis zu 40 Zentimetern. Denn an der Oberfläche würden sie die ständig wechselnden klimatischen Bedingungen – Ebbe und Flut, Sonne und Regen – nicht ertragen. Die hier lebenden Pflanzen zeichnen sich durch eine außerordentliche robuste Natur aus, müssen sie doch den hohen Salzgehalt des Wassers verarbeiten - diese Bedingungen ähneln jenen, denen Kakteen in der Wüste ausgesetzt sind. Dafür bietet das Watt allen Lebewesen ein außerordentlich reichhaltiges Nahrungsangebot. Und nicht zuletzt dient es als Kinderstube für die Fische und als Rastplatz für zahlreiche Vogelarten. (...)