Sylt im Wandel 1
buch1

Die vielen Facetten von Deutschlands beliebtester Urlaubsinsel spiegelt das Buch "Sylt im Wandel" in ebenso informativer wie unterhaltsamer Weise wider. Der mit aktuellen und historischen Fotografien reichhaltig ausgestattete Band erzählt von dem Sylt der Gegenwart und von vergangenen Zeiten: Wie der Walfang und der Fremdenverkehr den Wohlstand auf das karge Eiland brachten. Warum Sturmfluten die Insel bedrohen und wie sich die Sylter dagegen wehren. Welche Traditionen gehegt und gepflegt werden. Wie die illustre Prominenz die Insel entdeckte, und welch wunderliche Sagen sich um einzelne Orte und Personen ranken.

 

LESEPROBE:

 

(...) "Das Badeleben ist höchst monoton. Keine Musik, kein Tanz, keine Gesellschaft. Fast jede Bequemlichkeit, an die uns das Leben gewöhnt hat, hört hier auf. Dazu ist die Verbindung mit dem Festland mangelhaft und höchst unregelmäßig. Nein, ein Modebad ist Westerland nicht und wird es auch schwerlich werden." So urteilte der Literat Julius Rodenberg 1859 über Sylt und irrte gewaltig. Denn den düsteren Prophezeiungen zum Trotz sollte dem kargen Eiland eine glänzende Zukunft beschieden sein.

Heute kommen Jahr für Jahr über eine halbe Million Gäste – kaum eine andere deutsche Urlaubsregion dieser Größe kann da das Wasser reichen. Für die Urlauber ist Sylt nicht irgendein Ferienziel. Für sie ist Sylt eine Philosophie. Und die Insel lebt gut von den Touristen. Dabei ist die Ära des Fremdenverkehrs erst gestern angebrochen.

Am Anfang war das Meer. Vor etwa 10.000 Jahren trennten die Fluten die Insel Sylt vom Festland ab. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1141. Wie der ursprünglichen Name "Sild" zu deuten ist, darüber streiten sich die Gelehrten. Die einen halten es mit dem lateinischen Begriff für "Seeland", die anderen bevorzugen die jütische Übersetzung von "Hering", die dritten schließlich verweisen auf die sächsische Bedeutung für "Wüstes Land".

Schon früh besannen sich die Insulaner auf die Gaben, die ihnen das Meer schenkte. Die Heringsfischerei etwa war bis zum 16. Jahrhundert weit verbreitet. Es gab auch andere, dunkle Erwerbsquellen: „Den hässlichen Namen, dass sie böse Strandräuber seyn, verdienen ja wohl leider allzuviele von denen, so am Strande wohnen, so dass die Gelegenheit allzuviele Diebe macht", berichtet ein Schriftstück aus dem Jahre 1761. Wenn die raue See ihnen Schiffe in die Hände spielte, hielten die Strandräuber reiche Ernte. Selbst die Pastoren predigten sonntags vieldeutig von der Kanzel herab: "Gott segne unseren Strand." (...)