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Von Zwergen und Klabautermännern, von Strandräubern und Meerfrauen, von Hexen und anderen wunderlichen Gestalten, die einst auf Sylt ihr Unwesen trieben, erzählt dieses Buch in anschaulicher und lebendiger Weise. Die Sagenwelt findet ungewöhnliche Erklärungen dafür, wie die Insel entstanden ist, warum Dünen wandern oder wie der Tee nach Sylt kam. Sie macht den Leser mit dem Sylter Freiheitshelden Pidder Lüng, der treuen Ose und anderen Menschen bekannt, denen ein besonderes Schicksal beschieden war. Aus zahlreichen Quellen wurde eine Vielzahl der schönsten Sylter Sagen zusammengetragen, in zeitgemäßer Form aufgearbeitet und mit atmosphärischen Fotos bebildert, die das etwas andere Sylt zeigen.
LESEPROBE:
(...) Wenn der Wanderer seinen Weg nach Keitum einschlägt, grüßt ihn von weitem die St.-Severin-Kirche. Auf dem Friedhof künden verwitterte Grabsteine vom Schicksal der alten Kapitäne, und auch das Gotteshaus vermag manche Geschichte zu erzählen. Wer sich den Kirchturm genauer betrachtet, entdeckt im Mauerwerk bald die beiden unförmigen Granitsteine, die das Abbild zweier Nonnen in ihren Gewändern darstellen. Einst lebten nahe der Kirche nämlich zwei Betschwestern mit Namen Ing und Dung. Das Gotteshaus war bereits erbaut, doch fehlte noch der Turm. Diesen ließen die beiden wohlhabenden Nonnen erbauen und stifteten auch die Glocke, deren Geläut noch heute wie "Ing" und "Dung" zu klingen scheint.
Die Glocke aber hatte einen so schönen, hellen Klang, dass ihr Läuten bei gutem Wind sogar auf dem nahen Festland zu hören war und den Neid der dortigen Bewohner weckte. So groß wurde ihre Begierde, dass sie gar den Versuch unternahmen, die Glocke zu stehlen. Da banden die findigen Keitumer Kirchenvorsteher ein Pferdehaar um den Klöppel, so dass es nun recht hölzern tönte und die Festländer glauben mussten, die Glocke sei gesprungen. Von da an hatten die Keitumer Ruhe vor ihren neidischen Nachbarn.
Beim Bau des Kirchturms aber wurde eine düstere Prophezeiung ausgesprochen: Eines Tages werde die Glocke niederstürzen und den mutigsten Sylter Jüngling erschlagen, später dann auch der Turm zusammenstürzen und die schönste Jungfrau unter sich begraben. Die Jahre vergingen, und es kam der zweite Weihnachtstag des Jahres 1739. Da trieben die jungen Seeleute wie so oft ihren Schabernack, zogen in aller Herrgottsfrühe unablässig am Glockenseil, um die Keitumer aufzuschrecken. Auf einmal brach die Glocke aus ihren Angeln, stürzte in die Tiefe, schlug den Jüngling Sören Sörensen tot und zerschmetterte einem zweiten die Beine. Seit diesem Tag, so behauptet die Sage, halten sich alle hübschen Sylter Mädchen von der Keitumer Kirche fern. (...)
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