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Wer weiß schon, dass bereits vor hundert Jahren in den Sylter Dünen gegolft wurde, in List einst vergebens nach Öl gebohrt wurde, in der Braderuper Heide früher ein buddhistisches Denkmal stand oder ein heimtückischer Giftmord in Keitum gesühnt wurde? Diese und viele andere Begebenheiten fördert ein neues Sylt-Buch zutage, dass pünktlich zur Hauptsaison erschienen ist: Mit dem Titel "Sylt – noch mehr Inselgeschichten" findet das 1998 erschienene Buch "Sylt – Inselgeschichten" eine gelungene Fortsetzung.
Erneut hat der Autor tief in einem umfangreichen Fundus von Zeitungen, Zeitschriften und Zeitzeugen, im Sylter Archiv und im Internet gestöbert. Das Ergebnis: Unter Kapitel-Überschriften wie "Sylt und die weite Welt", "Was Urlauber so erdulden" oder "Tierische Begebenheiten" werden in zwölf Kapiteln exakt hundert Anekdoten, Kuriositäten und außergewöhnliche Begebenheiten geschildert.
Da findet sich Aktuelles und Historisches, Heiteres neben Tragischem, Skurriles wie auch allzu Menschliches. Dass man auf dem Hörnumer Leuchtturm den Bund der Ehe besiegeln kann, dass in Kampen ein "Hunde-Sheriff" für Sauberkeit sorgt oder dass in Morsum Spargel geerntet wird, das sind Kuriositäten von heute. In die Vergangenheit zurück führen andere Begebenheiten: Etwa die Erzählungen vom "Würstchenkrieg" in Wenningstedt, vom legendären Kampener Abendlokal "Ziegenstall" und seiner skurrilen Wirtin oder aber vom Keitumer Kapitän und einer furchtbaren Katastrophe.
LESEPROBE:
(...) Was sich am 7. April 1998 im Wattenmeer vor Rantum ereignete, das mutet zwar wie ein verspäteter Aprilscherz an, stellte aber sachlich korrekt eine Verkettung höchst unglücklicher Umstände dar: Zwei Urlauber hatten an jenem Tag einen Spaziergang durchs Watt unternommen. Unterwegs rutschte die Frau im Schlick aus und brach sich dabei ein Bein. Als ihr der Ehemann zur Hilfe kommen wollte, stürzte er ebenfalls und brach sich einen Arm.
Ein anderer Spaziergänger alarmierte daraufhin das Deutsche Rote Kreuz, das einen Rettungswagen entsandte. Der jedoch musste kurz vor der Unglücksstelle kapitulieren, da sich das Fahrzeug trotz Allradantriebs im weichen Schlickboden fest gefahren hatte. Als nächstes rückte ein Tanklöschfahrzeug der Rantumer Feuerwehr an, um den Krankenwagen aus dem Watt zu ziehen. Was passierte? Auch dieses Fahrzeug fuhr sich fest. Nächster Akt: Ein Traktor der Kurverwaltung wird angefordert und – raten Sie mal – bleibt ebenfalls stecken. Erst mit Seilwinden und der Hilfe eines Baggers konnten alle Fahrzeuge aus der misslichen Lage befreit werden. Fünf Stunden hatte die gesamte Rettungsaktion schließlich gedauert.
Epilog: Die beiden Patienten waren den Umständen entsprechend wohlauf. Bös gelitten hatte durch den regen Verkehr jedoch der Rantumer Binnendeich. "Da sieht's jetzt aus wie auf einem Panzerübungsgelände", unkte der Kurdirektor. (...)
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