Inselgeschichten
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Hundert kurzweilige Geschichten zeigen die verborgenen Seiten der Insel auf: Historische und aktuelle Anekdoten, Kurioses und Außergewöhnliches. Hätten Sie zum Beispiel gewusst, dass sich im legendären "Guinness Buch der Rekorde" gleich mehrere Sylter Superlative finden? Dass der amerikanische Präsident Abraham Lincoln aus Dankbarkeit einen Sylter Kapitän beschenkte? Dass Marlene Dietrich im Urlaub an ihrer Geige verzweifelte? Oder dass die Bundesregierung den Bau eines Kernkraftwerkes vor der Küste von Hörnum erwog? Dies und vieles mehr erzählt Ihnen "Sylt – Inselgeschichten".

 

LESEPROBE:

 

(...) Diese Stellenausschreibung ging um die halbe Welt: Kaum hatte der Westerländer Strandaufseher Sievers 1952 seinen Job gekündigt, da wurde die Kurverwaltung auch schon mit einer wahren Flut von Bewerbungen eingedeckt. Da fragt man sich: Was um Himmels willen macht den Posten eines Strandaufsehers so attraktiv? Eigentlich nichts – wenn, ja wenn Sievers nicht in einem besonders reizvollen Umfeld gearbeitet hätte. Denn sein Strandabschnitt war der FKK-Bereich, und FKK, das war seinerzeit noch eine ganz schön aufregende Sache.

Die Presse schnappte die Meldung jedenfalls auf, und schnell verbreitete sie sich quer durch Deutschland, dann durch Europa, und zu guter letzt schwappte sie noch über den großen Teich bis nach Amerika. Es brauchte nur wenige Tage, da waren schon 200 Bewerbungen eingetrudelt. Bayern und Berliner boten sich an, auch zwölf Franzosen hielten sich für den Posten unbedingt geeignet, ja, sogar ein Inder empfahl sich (die Luftpost hatte er "An den Stadtrat der Nudistengemeinde in Westerland" adressiert). Den Zuschlag erhielt dann aber doch ein Sylter – im übrigen der einzige Bewerber von der Insel.

Was ein Aufseher am FKK-Strand zu tun hatte, möchten Sie wissen? Vor allem musste er, der das Privileg genoss, als einzig Bekleideter unter den Nackten weilen zu dürfen, mit scharfem Blick Ausschau halten. Insbesondere die Dünenkante behielt der Wächter gut im Auge, denn nur allzu gern verschanzten sich dort Lüstlinge mit ihren Ferngläsern. Wehe dem, der erwischt wurde: Dann wurden die Nudisten rabiat, und mehr als einmal musste ein solcher Spanner zur Abkühlung ein unfreiwilliges Bad in der Nordsee nehmen. Schlecht soll es auch jenem jungen Mann ergangen sein, der eigentlich ganz harmlos aussah. Bis die Nudisten zufällig sein Kofferradio enttarnten – und die eingebaute Kamera entdeckten. (...)